Das Kapital: Die wahren Gewinner am Aktienmarkt

In realen DM/Euro ergibt sich über die vergangenen 20 Jahre ein Kursgewinn von gerade mal sechs Prozent am Weltaktienmarkt. Gewonnen hat vor allem eine Heerschar von Bankern und anderen Profiteuren, die nur wenig für die Anleger übrig ließen.
Im gemeinen Volk sind sie derzeit nicht sonderlich beliebt. Aber von gestandenen Aktienanlegern hört man wenig Groll gegen die Banken. Sicher, das System schützt sich selbst, und aus dem Glashaus heraus wirft man nicht mit Steinen. Doch gerade die Aktiensparer müssten sich eigentlich doppelt gelackmeiert vorkommen. Nicht nur müssen sie die staatlichen Hilfsmaßnahmen für die Banken wie alle anderen mittragen. Auch finanzieren sie seit Jahren munter die Boni in der Branche, ohne dass für sie groß etwas herumgekommen wäre.
In realen DM/Euro gerechnet liegt der MSCI Welt (inklusive Schwellenländern) um gerade mal sechs Prozent über dem Stand vom November 1989. Einschließlich wiederveranlagter Bruttodividenden ergibt sich seither eine durchschnittliche reale Rendite von 2,5 Prozent jährlich. Risikoadjustiert ein Desaster, denn da ist man selbst mit öden Bundesanleihen besser gefahren.
Doch anders als die Anleger leben jene, die unverdrossen zum Aktienkauf aufrufen, selbst in einem solchen Marktumfeld noch prächtig. Allein in den USA hat sich der im Inland erzielte Nettogewinn der finanziellen Kapitalgesellschaften über die vergangenen 20 Jahre auf 2763 Mrd. $ belaufen, rund sechs Prozent der derzeitigen Weltmarktkapitalisierung.
Natürlich ist dieser Gewinn nicht nur im Aktiengeschäft erwirtschaftet worden. Doch erzielen Banken auch andernorts Erlöse. Und vor dem Nettogewinn stehen nicht nur Steuern. Nein, vorher ist noch das Gehalt für eine Heerschar von Abwicklern, Systemadministratoren, Analysten, Vertriebsleuten, Händlern, Kundenbetreuern, Vermögensverwaltern und Führungskräften zu entrichten (von Mieten, Spesen oder Reisekosten gar nicht zu reden).
Dann sind da noch die Mathematiker, die dermaßen komplizierte Produkte entwickeln, dass die Bank unbemerkt gleich an acht Stellen ihren Schnitt macht. Und natürlich Emissionsexperten sowie Fusionsratgeber, die den Firmen unsinnige Übernahmen aufschwatzen, die selbstredend auch noch finanziert und juristisch begleitet werden wollen.
Aber natürlich sind die Banken nicht die einzigen, die einen Teil vom Kuchen abhaben wollen. Versicherer, Börsenbetreiber und Heuschrecken etwa mischen auch kräftig mit. Finanzredakteure verdienen ebenso daran wie der Steuerberater und letztlich das Finanzamt. Was nach Gebühren, Steuern und Inflation hängenbleibt, wenn man bei zu hohen Kursen investiert, soll sich der geneigte Anleger lieber selbst ausrechnen.

Tim Taler meint:

Wenn man darüber nachdenkt, wird einem richtig schlecht. Die Banker haben sich auf Kosten der Allgemeinheit in einem Maße bereichert und nie den Ansatz eines Gewissens dokumentiert. Man fühlt sich nach wie vor betrogen und sie machen munter weiter. Es kann doch nicht sein, dass unsere Regierung das duldet. Ich warte auf den Moment, wenn strafrechtliche Schritte endlich eingeleitet werden. Ich befürchte aber, ich kann noch lange warten.

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