Grauer Immobilienmarkt: Bei Anruf Betrug

Der Millionenbetrug mit Schrottimmobilien - eine Episode aus dem Osten der 90er? Von wegen. Noch immer drehen Jahr für Jahr windige Verkäufer Ahnungslosen verlustreiche Wohnungen an.
Es ist Samstag der 25. April 2009, ein sonniger Tag, als ein blitzblanker VW Passat auf der Autobahn Richtung Berlin rauscht. Drin sitzen Harald Makinowski und Bernd Meier, beide Immobilienverkäufer. Und im Fond Regina Schneebel, Mitte 30 und Lehrerin für Deutsch und Englisch in Lüneburg (die Namen wurden von der Redaktion geändert).
Am Abend dieses Tages wird Schneebel mit Makinowski und Meier in der Hauptstadt noch Sushi essen gehen. Sie wird dann Eigentümerin zweier dringend sanierungsbedürftiger Wohnungen im Leipziger Stadtteil Anger-Crottendorf sein, die sie, obwohl sie kaum Ersparnisse hat, für 140.000 Euro und damit für fast das Doppelte ihres eigentlichen Werts erworben haben wird.
Ihr wird versprochen worden sein, die Wohnungen seien vermietet, was nicht stimmt. Und sie wird einen Notar getroffen haben, der eine Urkunde um zwei Wochen vordatiert, damit es später so aussieht, als seien gesetzliche Bestimmungen eingehalten worden. Aber von alldem ahnt Regina Schneebel auf der Fahrt nach Berlin noch nichts.
Regina Schneebel ist nur eine von vielen in Deutschland, die von unseriösen Vermittlern Jahr für Jahr in höchst unvorteilhafte Immobilieninvestments getrieben werden. Der Maschinenbauer aus Magdeburg, der für 100.000 Euro eine Wohnung in Berlin-Wittenau kauft, die eigentlich nur 50.000 wert ist, die Versicherungsangestellte aus Stuttgart, die ein völlig überteuertes Objekt in Hamburg-Bergedorf erwirbt, ohne es je gesehen zu haben, der Schlosser aus Halle/Saale, der sich fragt, wer ihm wohl je wieder den Bruchteil von nur einem Fünfunddreißigstel an einer Wohnung in Bochum abkaufen wird, den er sich hat aufschwatzen lassen - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
"Wer meint, das Thema 'Schrottimmobilien' sei Vergangenheit, der irrt", sagt Gabriele Schmitz, Rechtsanwältin in Hamburg. "In den 90er Jahren, als vor dem Hintergrund der Sonder-Abschreibungsmöglichkeiten vor allem viele Objekte im Osten Deutschlands verkauft wurden, hatte dieser Teil des grauen Kapitalmarkts zwar Hochkonjunktur. Nach wie vor wird da aber viel Geld verdient, der Markt trocknet nicht aus."
Verbraucherschützer können ein Lied davon singen. Sven Kretzschmar zum Beispiel, von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. "Mit der Einführung der Abgeltungsteuer sind diese Geschäfte sogar noch einmal mehr geworden", sagt er. "Denn die Steuersparproblematik, mit der oft gelockt wird, rückt dadurch wieder stärker in den Vordergrund."

Tim Taler meint:

Da kann man nur staunend den Kopf schütteln. Erwachsene Menschen lassen sich mit den einfachsten Tricks auf das Kreuz legen. Unbegreiflich auch, dass vordatierte Verträge von den Käufern gezeichnet werden. Wenn es nicht um schweren Betrug gehen würde, müsste diese Leichtfertigkeit auch bestraft werden. Ein rechtliche Beratung ist doch wohl selbstverständlich bei solchen Geschäften!

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