Wirtschaftserholung: Knapp an der Jobkatastrophe vorbei

Die Bundesrepublik scheint sich so rasant aus der Wirtschaftskrise zu befreien, wie sie hineingerutscht ist. Experten rechnen deshalb nun damit, dass hunderttausende Jobs mehr als bisher gedacht gerettet werden können - und die Bundesagentur für Arbeit Milliarden an Krisenkosten spart. Zum Wohle der Steuerzahler.
Deutschlands Wirtschaft hat ein Comeback geschafft. Schon zwischen Mai bis Juli stieg die Wirtschaftsleistung hierzulande um 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt heute mitgeteilt hat. Im Spätsommer dann um 0,7 Prozent verglichen mit dem Vorquartal - das war nach Angaben der emsigen Statistiker das stärkste Plus seit Anfang 2008. "Und auch im laufenden Schlussquartal des Jahres sollte Deutschlands Wirtschaft erneut deutlich zulegen", sagte heute Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
Deutschlands Wirtschaftsweise halten deshalb jetzt eine deutliche Erholung der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr um 1,6 Prozent für möglich. Mehr noch: "2010 ist sogar ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um rund 2,5 Prozent möglich", sagt Barclays-Capital-Chefvolkswirt Julian Callow zu manager-magazin.de. "Allein der Schlussspurt in diesem Jahr wird der deutschen Wirtschaft eine gute Ausgangslage für das kommende Jahr liefern", glaubt der Wirtschaftsexperte.
"Willkommen zurück, Deutschland!", rufen da heute die Unicredit-Analysten. Und tatsächlich: Würde die Bundesrepublik nicht in der tiefsten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit stecken, könnte man bei solchen Prognosewerten fast von einem Boom im Jahr 2010 sprechen - wenn nicht trotz der sommermärchenhaften Erholung der deutschen Wirtschaft unter dem Strich in diesem Jahr wohl ein Minus von 4,8 Prozent im Vergleich mit 2008 ins Kontor schlagen würde.
So aber ist der vermeintliche Boom im kommenden Jahr nicht mehr als eine bemerkenswerte Erholung. Aber immerhin eine, die hunderttausenden Bundesbürgern mehr als bisher gedacht den Arbeitsplatz retten und dem Steuerzahler so eine Linderung der befürchteten Krisenverluste im Milliardenbereich bringen könnte.
"Aufgrund der kräftigen Wirtschaftserholung werden wir im kommenden Jahr zwar keinen Abbau der Arbeitslosigkeit erleben, was bei Wachstumswerten von 2,5 Prozent in einer normalen Wirtschaftslage zu erwarten wäre. Aber zumindest der Anstieg der Jobverluste sollte für die Tiefe der Wirtschaftskrise schwächer ausfallen, als bisher gedacht. Die Zahl der Jobsucher wird jetzt im kommenden Jahr wohl nur auf 3,8 bis 4,0 Millionen steigen", schätzt dann auch Holger Schäfer gegenüber manager-magazin.de, Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Und mit der vergleichsweise optimistischen Prognose steht er längst nicht mehr allein.

Tim Taler meint:

Schöne Nachricht zum Wochenende. Wenn wir auf Grund der wirtschaftlichen Erholung es wirklich schaffen, hunderttausende von Menschen in Arbeit und Brot zu halten, können wir uns wohl alle ein bisschen auf die Schulter klopfen. Gehen wir mit der neuen Prognose behutsam und vorsichtig um, verfallen nicht in die alten Fehler und hoffen gemeinsam auf die weitere Genesung unserer Volkswirtschaft.

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