Private Equity: Eine Billion Dollar wartet auf Anlage

Konjunktur und Finanzmarktdebakel haben in der Private-Equity-Branche tiefe Spuren hinterlassen. Doch auch in der Krise sind Finanzinvestoren gefragte Ansprechpartner im Mittelstand, die attraktiven Unternehmen zusätzliche Chancen eröffnen können.
Mehr als eine Million Arbeitsplätze und die Finanzierung von rund 6.200 Unternehmen sind in Deutschland auf das Engagement von Private Equity zurückzuführen. Die daraus resultierenden Umsätze wiederum stehen für gut zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein solcher Wirtschaftsfaktor sollte eigentlich Anerkennung finden.
Dennoch, die Beteiligungsbranche sieht sich immer wieder mit Kritik konfrontiert. Aktuell zum Beispiel, weil im Sog des weltweiten Konjunktureinbruchs auch mit Private Equity finanzierte Unternehmen in Schwierigkeiten geraten sind. Doch obwohl sie damit wahrlich nicht allein dastehen, wird der Finanzierungshintergrund dieser Firmen häufig zur entscheidenden Krisenursache erklärt.
Warum aber scheint das negative Image der Finanzinvestoren in Teilen der Öffentlichkeit so fest verankert, wenn doch Marktanalysen immer wieder auf die überdurchschnittlich hohe Produktivität und Wachstumskraft der mit Private Equity finanzierten Unternehmen hinweisen?
Ein grundlegender Vorwurf ist sicherlich berechtigt - man hätte schon früher, als sich Private Equity in Deutschland zu etablieren begann, umfassender und transparenter über das Geschäftsmodell informieren sollen. Es ist zudem nicht von der Hand zu weisen, dass - ermutigt durch das in den vergangenen Jahren günstige Umfeld an den Kreditmärkten - einige Transaktionen mit einem extrem hohen Fremdkapitalhebel gestaltet wurden.
Mitunter wurden liquiditätsgetrieben möglicherweise sogar Unternehmen finanziert, für deren Businesspläne es in früheren Zeiten niemals Geld gegeben hätte. Für manche der mit Fremdkapitalanteil von bis zu 80 Prozent aggressiv finanzierten Unternehmen wird es angesichts der drastischen Umsatzeinbrüche in vielen Branchen jetzt schwer, Zinsen und Tilgungen ihrer Schulden zu bedienen. Das Problem wiegt umso schwerer, wenn Sonderkündigungsrechte einzelner Kapitalgeber nun die gesamte Finanzierungsarchitektur ins Wanken bringen. Höhere Hebel, das zeigt sich nun, führen in der Krise auch zu deutlich höheren Risiken - und sie zwingen manche der betroffenen Portfoliounternehmen zu zusätzlichen Kosteneinsparungen und schmerzhaftem Personalabbau.

Tim Taler meint:

Man träumt davon, den alteingesessenen Banken die lange Nase zu zeigen. Wenn man zu dem Entschluss gekommen ist, für das eigene Unternehmen Fremdkapital aus einem Private Equity Topf zu finanzieren, ist man dem Traum ein gutes Stück näher gekommen.
Wenn ein Unternehmen sich heute entschließt, mit den Finanzmitteln von Private Equity Unternehmen die Krise zu meistern, kann das funktionieren. Aber auch dort wird nur mit Wasser gekocht.

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