Weltuntergang vertagt – folgt die Deutsche Bank dem Gewinnbeispiel der US-Banken?
Die Berichtssaison zum zweiten Quartal hält bislang jedenfalls nicht, was man sich als Krisenprophet von ihr erwarten durfte. Denn wie es aussieht, laufen die Geschäfte vieler Unternehmen nicht annähernd so schlecht, wie man es in die Erwartungshaltung eingerechnet hatte. Mit der bitteren Konsequenz,
dass die großen US-Indizes zum Auftakt der Quartalsberichterstattung nicht in die Tiefe rauchen, sondern stattdessen eine der stärksten
Börsenwochen seit langer Zeit hinlegen. Zumindest bis Donnerstag. Ein klein bisschen Hoffnung bleibt den Nicht-Investierten also noch, damit ihre Crash-Träume vielleicht doch noch wahr werden. Und dann sind da ja noch die Europäer. Bei denen rollt der Zahlenzug zum zweiten Quartal erst in der kommenden Woche so richtig an und vielleicht halten die sich ja an das Weltuntergangs-Drehbuch. All zuviel Hoffnung sollte aber auch darauf nicht verwendet werden. Meint zumindest Goldman Sachs. Die stören derzeit den Frieden und warnen, dass auch die Ertragseinbußen der europäischen Unternehmen nicht annähernd so hoch ausfallen dürften, wie bislang in den Kursen eingepreist. Statt den bisher prognostizierten Gewinnrückgängen von beinahe 40 Prozent, werden die Erträge im Schnitt wohl nur um 19 Prozent zurückgehen, so die Analysten. Und 2010 kommt es dann für die Börsenskeptiker ganz hart. Da sehen die Goldmänner bei den Unternehmen im DJ Stoxx 600 nämlich ein sattes Gewinnwachstum von 34 Prozent (statt bisher 19Prozent). Und was noch schlimmer ist: Der Index könnte in den kommenden zwölf Monaten um bedrohliche 20 Prozent steigen und dem Stoxx 600 eine der stärksten Jahresendrallyes seit mehreren
Jahren bescheren. Als Antreiber könnten auch in Europa die Banken fungieren, von denen in den kommenden Tagen einige ihr Zahlenwerk vorlegen. Schon gestern hat die Credit Suisse Zahlen präsentiert, die den Trend der US-Häuser bestätigt haben: Für Banken mit starkem Fokus im Investmentbanking waren die letzten Monate ausnehmend günstig und bescherten ihnen hohe Gewinne. Die CS
brachte es auf ein Ertragsplus von 29 Prozent und einen Quartalsüberschuss von 1,57 Milliarden Franken (1,03 Mrd. Euro). Am Dienstag folgt die ebenfalls Investmentbank lastige Deutsche Bank, bei der ebenfalls Gewinne in Milliardenhöhe prognostiziert werden. Allerdings, so mahnen die Analysten bei Sal. oppenheim, ist speziell bei der Deutschen Bank die Erwartungshaltung bereits sehr hoch, weswegen eine Long-Positionierung am Tag des Q2-Berichts auch nach hinten losgehen kann.
Tim Taler meint:
Man merkt doch gleich die deutlich gefühlte Erleichterung im Schreibstil des Autors. Auch ich bin der Meinung, dass wir alle Gedanken in Bezug auf die Wirtschafts- und Finanzkrise jetzt positiv nach vorne richten müssen. Und wenn sich die Banken dann auch noch entschließen, ihre vorrangigen Aufgaben im vernünftigen Umfang zu leisten, sollten wir einen guten Weg zur Erholung finden.


Kommentar hinzufügen